Leinen-Weberei auf historischen Webstühlen

 

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Mit der Sparkasse Warendorf als Sponsor konnten Webstühle samt Ausstattung angeschafft werden. Hier die Sponsoren und Damen der Webergruppe.
 

 

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN am Donnerstag den 10. Oktober 2019

Spinnerei ist jetzt ganz normal

echtes Leinen handgemacht

Die spinnen wohl beim Mitmach-Museum "Up'n Hoff". Warum sie das tun und wie genau, konnten Besucherinnen und Besucher beim Saisonabschluss am Sonntag erleben. Das Museum konnte zum Saisonabschluss mit spannenden Informationen und Originalgegenständen zum Thema "Vom Flachs zum Leinen" punkten. Zahlreiche Besucher waren gekommen, um der neu gegründeten siebenköpfigen Hausweber-Gruppe bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen oder um sich erläutern zu lassen, wie mühselig es früher war, aus Flachs Leinen herzustellen.

Besonders bemerkenswert fanden die Besucher die nahezu komplette Ausstellungsreihe, die Dank einiger neuer Stücke und ausführlicher Erläuterungen keine Fragen mehr offen ließ. So wurde anhand alter Werkzeuge und Maschinen erklärt, wie arbeitsintensiv damals der Weg vom Flachs zum Leinen war. Die Besucher konnten sich neben Flachsbrechern, -schwingen, Haspeln und Garnwinden viele Sammlerstücke ansehen, die zur Flachsbearbeitung genutzt wurden. "Die Samen vom Flachs mussten zunächst auf dem Riffelbrett abgeschlagen werden, danach wurden sie gebrakt - also gebrochen. Anschließend folgten noch weitere mühselige Arbeiten wie das Hecheln, bei dem der Flachs zu Fasern gespalten wurde", erklärt Christa Neumann vom Team der Weberinnen.

Aus den einzelnen Fasern sollte dann ein stabiler Leinenfaden entstehen. An ihrem eigenen Spinnrad führte Christa Neumann unter anderem dem Ehepaar Edith und Hans Kaiser aus Ahlen vor, wie so etwas damals ausgesehen hat. "Ich bin gelernte Handweberin und interessiere mit deshalb sehr für die Geschichte der Webkunst", kommentierte Edith Kaiser die Vorführung.

echtes Leinen handgemacht

Große Anziehungspunkte der Ausstellung waren ebenfalls zwei alte, aber noch funktionstüchtige Webstühle, die ihren Platz in der neu eingerichteten Weberstube gefunden haben. Warum der Beruf des Webers eine dreieinhalbjährige Ausbildung erforderte, erläuterten Manuela Kalitowitsch und Gerda Fögeling von der Webergruppe. "Die Arbeit an dem Webstuhl ist durchaus kompliziert und erfordert viel Geduld", betonte Gerda Fögeling. Bevor mit der eigentlichen Webarbeit angefangen werden kann, muss der Webstuhl nämlich vorbereitet werden. So würde etwa mit dem Litzenstecken begonnen, bei dem jeder einzelne Faden durch eine Öse geführt werden muss. "Die Vorbereitung erfordert viel Zeit, das eigentliche Weben ist schließlich die Belohnung", bilanzierte Weberin Hedwig Severt.

 

Weben auf dem historischen Webstuhl

Das Museum besitzt zwei Webstühle, die etwa 300 Jahre alt und mit Original-Ausstattung erhalten sind.
 

Weben auf dem historischen Webstuhl


Die Besucher nahmen die kompetenten Erläuterungen der Frauen interessiert auf und erfuhren ganz nebenbei, dass zahlreiche Redewendungen und Sprichwörter aus dem Handwerk des Webens und der Leinenherstellung entstanden. "Die spinnen", "den Faden verlieren", "am seidenen Faden hängen" oder "Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend - erquickend und labend", sind nur Auszüge aus der noch heute im täglichen Sprachgebrauch verwendeten Ausdrücke.

Text: Karina Linnemann

 

Zeitungsartikel der WN

Die Gruppe der Weberinnen in zwei Zeitungsartikeln.  
 

Zeitungsartikel der Glocke

Für das uralte Handwerk ist Geduld gefragt.  
 

 

Das Logo der Weberinnen

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